Magic Lanzarote 2017

Wund Plagen – Auspower Training

magic lanzarote ironman 2014

Eike Eisenmanns Einfälle

Wund Plagen – Auspower Training

oder

sollte nicht auch ein Ironman Lanzarote seine Grenzen kennen?

Was unterscheidet einen Langstrecken-Laufradschwimmer von einem gewöhnlichen Sterblichen?

 

Die Disziplin? Überragende Fitness?
Oder doch eher seine unbegreifliche Verstiegenheit in ein alltägliches Extremsportprogramm, das nun wirklich nicht gut für den Körper sein kann?

Der brave Nordic Walker schont seine Gelenke, schnappt regelmässig frische Luft, und kann sich abends am Stammtisch auch noch über Königin Elisabeth oder den Klimawandel unterhalten., während der harte Ausdauersportler seine Gelenke betastet, nach frischer Luft schnappt und dank des Sauerstoffmangels im Hirn maximal an den neuesten Carbonrahmen fürs Velo denken kann. Von einer gepflegten Unterhaltung mit Gleichgesinnten ganz zu schweigen: Diese hängen nämlich entweder zu Hause in den Seilen oder absolvieren noch ein mitternächtliches Intervalltraining bei Vollmond. Achtung vor dem Werwolf.

 

magic lanzarote ironman 2014

Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen?!

Dir Vorbereitung für den Ironman ist eine ernste Angelegenheit:
Trainierst du zu wenig, ist Dir der Krampf bei Radkilometer 127 sicher oder, noch schlimmer, du gibst bereits vorher dank eines schmerzenden Hinterteiles endgültig auf, weil Dir niemand in den Monaten vor dem Wettkampf gesagt hat, wie ungemütlich ein Rennradsattel nach mehr als 2 Stunden Fahrzeit werden kann. Also heisst es Ranklotzen. Ein Eisenmann ist schliesslich nicht aus Watte und schon beim Training gilt es, dem inneren Schweinehund dutzendmal mit gefletschten Zähnen eine Tracht Prügel zu verpassen.

Hey, wir sind Männer. Allzeit bereit!

Da mögen viele Fachbücher das „Grundlagenausdauertraining“ in den Himmel heben, mit dem man angeblich nach 10 Jahren langsamem Aufbau zu Wunderzeiten kommen kann. Alles Quatsch. Wer nicht schwitzt, hat nix getan! Und ausserdem ist es nun wirklich beschämend, wenn die Oma mit dem Brotkörbchen auf ihrem Hollandrad an Dir vorbeiflitzt, nur weil Du auf Deine Pulsfrequenz zu achten hast. Also: Augen zu und durch, das Wundplagen-Auspowertraining erst macht aus einem Mann eine deutsche Eiche. Aufhören gilt nicht, auch im Training.

 

Hand aufs Herz: Ein Mensch, der einen halben Tag lang ohne Pause durch die Weltgeschichte hecheln möchte um solch einen komischen Wettkampf wie den Ironman Lanzarote zu bestehen, der muss sich auf diese Anstrengung doch vorbereiten. Erst 2 Stunden, dann 4 und dann noch viel länger an sein Limit gehen und darüber hinaus. Das ist der Stoff, aus dem die Helden sind.

 

Bis… naja, …bis nach den 220 Kilometern bei konstantem Gegenwind am vergangenen Wochenende Montags dann am wohlverdienten Ruhetag vielleicht heimlich still und leise die Erkenntnis heraufdämmert, dass Dienstag und Mittwoch und…ach…am besten gleich die ganze Woche lieber nicht wieder trainiert wird. Vielleicht zwickt´s ja sogar ein wenig in den Adduktoren? Hat sich der Muskelfaserriss vom letzten Herbst am vorletzten Aufstieg nicht wieder bemerkbar gemacht? Für einen angehenden Superhelden natürlich kein Problem, aber irgendwie fehlt erst einmal tagelang die Lust. Und schon der Gegenwind auf dem Weg in die Küche lässt dich erschaudern, und die geplante Regenerationseinheit wird bei Rotwein und Käse nochmals verschoben.

 

Ganz im Ernst: Ein Ironman, der noch nie sein Fahrrad auf der Rückkehr von einer Monstersession im Bauch eines Linienbusses verstaut hat, ist mir sehr suspekt. Schliesslich besteht diese sportliche Prüfung eigentlich aus vier Disziplinen: neben dem Schwimmen, Radfahren und Laufen entscheidet die Einteilung der Kräfte oft über Wohl und Wehe.

 

Bewundernd haben die Freunde neulich in meine wild entschlossenen Augen geschaut, als ich nach einer ordentlichen Portion Rumradeln nebst einer Laufveranstaltung im Dorf unter heisser Mittagssonne verkündete, die 40 Kilometer bergauf und gegen den Wind nun auch noch zurückrollen zu wollen. „Was, ihr grillt nachher noch? Viel Spass. Ich schwing mich dann mal auf meinen Sattel, als Verpflegung gibt’s lauwarmes Wasser und Kokosnussriegel.“ Winkewinke, bis zum nächsten Treffen.

 

Ich geniesse die Blicke in meinem Rücken als ich die Promenade herunterrolle. Stelle mir die Gespräche unter den Freunden vor:“ Ja, der meint´s ernst, der geht ran. Chapeau!“, blicke mich ein letztes Mal um, düse um die Ecke und ausser Sichtweite und…

 

…fahre schnurstracks zum Busbahnhof!

 

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