Magic Lanzarote 2017

Schluss mit dem Genuss?!

magic lanzarote ironman 2014

Eike Eisenmanns Einfälle

Tick Tack.
Tick Tack.
Tick Tack.
Mist.

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Beim Blick auf den Kalender schnellt der Herzschlag schlagartig nach oben wie auf den ersten Höhenmetern am steilen Berg. Schweissausbrüche, Übelkeit, Schüttelfrost. Das grosse Zittern. Nur noch drei Monate. Unerbittlich vergeht die Zeit und die ausgerissenen Kalenderblätter kann ich nicht wieder ankleben.

Der „Ernst des Lebens“ hat laut meiner Mutter zwar schon vor mehreren Jahrzehnten begonnen, aber mir ist, als wird er nun und endlich ganz neu definiert: Die „heisse Phase“ für den Ironman in spe hat begonnen. Mehr als früher fühlt es sich aber an wie Makkaroni-Mann, wenn ich meinen weichen Knien kurz nach jenem unheilverkündenden Blick auf das Mistding namens Kalender Glauben schenken darf.

Bis eben war alles noch mehr wie ein Kinderspiel, eine fixe Idee. Ohne Probleme durchzusetzen. Da stieg man aufs Rad, freute sich auf 100 Kilometer lockeres Training, um dann nach zwei Dritteln der Distanz und einem leichten Ziehen im linken kleinen Zeh festzustellen, dass der schicke neue Schuh zwickte und in der Socke eine nicht mehr zu glättende alte Falte das Weiterfahren unmöglich machte. Egal, man hat immerhin überhaupt trainiert und liegt klar im Monatssoll. Was solls also. Ausserdem locken da drüben in der Strandbar ein leckeres Weinchen und die Nachmittagssonne. Schuhe aus, Beine hoch. Es ist ja noch so viel Zeit bis zum Wettkampf und alles wird gut.

Und nun? Noch 90 Tage bis zum grossen Martyrium.
Aus. Vorbei. Ende mit allen Verlockungen. Es beginnt die Zeit des Zähneknirschens.

Nicht nur „Trainieren, Trainieren, Trainieren“
Sondern „Verzichten, Verzichten, Verzichten“.

In den letzten Monaten vor dem grossen Wettkampftag gilt nur der radikale Schnitt im Leben eines ehemaligen Geniessers: Schluss mit dem Wein, Schluss mit dem Gutenachtjoint. Es lebe das Wasser und, wenns mal nicht ganz so “geschmacklos” sein soll, hier und da auch ein Alkoholfreies!
Und auf die gerade erst angebrochene Flasche Rotwein, die noch den Küchentisch ziert, freut sich sabbernd nur noch die eher unsportliche Urgrossmutter… .

Blut, Schweiss und Tränen. Ein Full-Time-Job mit allen Konsequenzen!

Wie bisher erst nur einmal, nämlich kurz vor der Anmeldung zu diesem vermaledeiten Drama namens Ironman, wird mir jetzt schlagartig klar, was ich mir hier aufgebürdet habe:
Blut, Schweiss und Tränen nämlich, einen “full-time-job” mit allen Konseuenzen.
Jesus war Ausdauersportler und verwandelte den Wein in Wasser.
Na lecker… .

Der Monat besteht nicht nur aus 40 bis 60 Stunden Hecheln, Kurbeln und Unterwasservortrieb. Sondern rundherum noch Muskel- und Körperpflege, Askese, jede Menge Stinkesocken waschen…, kurz, Sonderschichten an allen Ecken und Enden!

Disziplin. Keine Ausreden mehr.
Zähnefletschen, Wasser trinken und hoffen, dass dabei irgendwann auch ohne Schnaps mal wieder ein Lächeln rauskommt. Es ist ja nicht so, dass Rebensaft und co. zwingend notwendig waren im Leben vor dem Triathlon. Aber lieb gewordene Gewohnheiten sind eben Gewohnheiten, und wollen nicht so mir-nichts-dir-nichts verbannt werden. Die stellen sich doch kurz oder lang auf die Hinterbeine und melden ihre seltsamen Ansprüche an.

Tick Tack. Der Countdown läuft, keine Zeit mehr für Kämpfe abseits der Strecke. Jawoll.
Ironman ist eben doch etwas mehr als eine zweistellige Stundenzahl Ausdauersport an einem Tag. Es ist eine Lebensweise, eine gnadenlose Philosophie für ein Jahr, mindestens aber für drei Monate! 

Denn die Grundlagenausdauer lässt hier und da noch zu wünschen übrig. Da tun ein bisschen mehr Training sowie eine ganze Menge mehr an Disziplin im „eisernen Verzichten“ gut.
“Ist doch sowieso alles nur Kopfsache, auch wenn der Sherry noch soo gut riecht.”
…behaupten jedenfalls diejenigen, die ihren Salat nur noch mit einem Dressing aus stillem Wasser garnieren und sich dabei angeblich auch noch gut fühlen.

Drei Monate bis zum grossen Start? Gefühlt sind es drei Tage!

Wenn es nur das Training wäre, das ich mir täglich reinziehe, dann könnte ich mit dieser Art Qual noch irgendwie leben. Schliesslich atmet der Ausdauersportler ja viel frische Luft ein. Er hat was davon. Er beobachtet beim gemütlichen langen Ausritt die Schmetterlinge und Blümelein am Wegesrand.

Aber der leckere Rioja Tinto Tempranillo zur wohlverdienten Pasta nach dem Longjog?
Nie wieder?
Zumindest bis die schwere eiserne Medaille an mir herunterbaumelt?
Oder der – zugegeben schon seit einiger Zeit zugunsten der kontrollierten, tiefen Hechelatmung immer kleiner geschriebene – Gutenachtjoint?
Für immer und ewig begraben?
Rest in “piece”?

Ist es das denn wirklich wert, 25 Jahre lang gehegte und gepflegte Gewohnheiten einfach über den Haufen zu werfen?
Auch wenn das Belohnungszentrum im Hirn zuckt und zappelt und mit den Ketten rasselt, so ist die Antwort doch ein klares, entschlossenes, starkes, lautes, GROSS geschriebenes:

Na ja, gut. Meinetwegen. Oder vielleicht doch n…?…

Ruhe jetzt, Schweinehund!

Ich verdrücke mir ein Tränchen, stelle der sabbernden UrGrossmutter den Roten vor die Wampe und verbanne die wohlriechende Knolle „Northern Light“ vom Nachttisch in den hinterletzten Winkel meines Gewürzregales in der Küche. Packe stattdessen drei weitere Isostar-Trinkflaschen ins edle hölzerne Weinregal.
Welch eine Blasphemie!

Blicke wild entschlossen und mit geballter Faust in den Spiegel und tröste mich mit der Weisheit, dass der Eisenmann sich nicht durch eine zweistellige Stundenzahl Qual und Ausdauer am Wettkampftag definiert, sondern durch die noch wesentlich heroischere Leistung, eine knapp dreistellige Anzahl von Tagen auf so vieles eisern zu verzichten, das ihn während seines Lebens als Makkaroni-Mann täglich begleitete.

Es gibt schliesslich kaum einen schöneren Grund für eine derartige Askese als diesen blöden Wettkampf irgendwann im Mai. Und vielleicht kommt kurz vorm Zusammenbruch auf Radkilometer 172 ja die Erkenntnis, dass das bisweilen zähneknirschende – aber absolut freiwillig praktizierte Verzichten mein Durchhaltevermögen und meine Leidensfähigkeit gestählt hat.
Schliesslich ist der Verzicht auf Rioja und weitere Laster unter Umständen ebenso kompliziert wie das Aushalten eines ausgewachsenen Wadenkrampfes.

R.I.P., ihr lang gehegten Genüsse.
Wir sehen uns wieder, in einem neuen Leben.

Mit der Medaille um den Hals hält sich das Gläschen doch auch gut in der Hand.

Der Eisenmann verzichtet gern!
Aber dies ist dennoch nicht das letzte Wort. Nicht das letzte Glas.
Auch wenn es vielleicht nie wieder werden wird, wie es einmal war zwischen uns.

Ich komme wieder, versprochen.
Wer bisweilen loslässt, was er will, darf dann auch wieder wollen, was er will!
Askese ist gut. Mäßiger Genuss schadet dennoch nicht, ist imho sogar der Gesundheit förderlich,
denn die Seele braucht hier und da auch eine andere Nahrung als nur BonBons fürMuskeln und Gelenke.

Bei aller Disziplin das Leben und Lächeln bitte nicht vergessen
– und Rotweinflecken bekommt man ausserdem auch aus dem finisher-Shirt wieder raus! :-D

 

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