Magic Lanzarote 2017

Mittagshitze, Felsen und Salzwasser

magic lanzarote ironman 2014

Eike Eisenmanns Einfälle

Mittagshitze, Felsen und Salzwasser
oder
Die Leiden eines Bergfahrrades

Ich bin grell, giftig und grün und ich bin ein Bergrad. Oder auch “Mountainbike”, wenn Dir das lieber ist. Aber seit sich die Amerikaner eher durch Internet-Spionage denn durch sportliche Glanzleistungen ins Rampenlicht stellen, gefalle ich mir als gutes deutsches Bergfahrrad irgendwie besser. Aber das sind Eitelkeiten. Nichts im Vergleich zu den Erlebnissen, die ich unter dem bald wohltrainierten Hinterteil meines stolzen Besitzers erleben darf.

Gestern hat er es mal wieder übertrieben, das sportliche Treiben. Was als gemütliches Brötchenholen vorm Frühstück zusammen mit seiner Tochter geplant war, uferte aus in eine Dreieinhalb-Stunden-Strapaze unter der gnadenlosen Mittagssonne.

Schuld war die böse Tochter. Das häufig eher bewegungsfaule 11-jährige  Mädchen wird von ihrem Vater aus dem kuscheligen Bett gepeitscht.  Sie behauptet, “Ironman” komme von “Ich renne, Mensch” und begleitet ihren Herrn Papa nun häufiger auf seine Trainingsrunden. Denn irgendein fitter Norweger behauptet in seinem schlauen Buch für die Eisenmänner in spe, dass das Training im junge-Damen-Tempo von entscheidender Bedeutung für die Grundlagenausdauer sei! Mhmmm, das Wort zergeht auf der Zunge: Grundlagenausdauer! Das klingt standhaft wie eine deutsche Eiche und zäh wie Kruppstahl. Schon nahe dran am Eisenmann, eh?

Überwiegend aus widerstandsfähigen Metallteilen ist jedoch zunächst einmal des Menschen treuester Freund und nicht der Mensch selber. Nein, ich spreche nicht von Eisenhunden, sondern von grellen, grünen, giftigen Bergfahrrädern.

Das lockere Training vor dem Frühstück sollte also zur Bewährungsprobe für derlei Widerstandskraft werden: Für Mensch _und_ Material.

Ein paar Kilometerchen bergab auf der Schotterpiste. Gelegentlich mal ein grosser Stein. Elegantes Ausweichen. Vorsichtiges Bremsen. Jahaaa, mein Herr und Meister versteht es, mich zu schonen. Oder er ist einfach ängstlich und hat während seiner Karriere als Dauerläufer noch nicht bemerkt, dass es so etwas wie den Rausch der Geschwindigkeit gibt oder den Leitspruch “No Risk, No Fun”. Irgendwie hat er das aber im Laufe des Ausfluges gelernt, ist auf den Geschmack gekommen. Und Schuld daran ist wie erwähnt das Töchterchen.

magic lanzarote ironman

…vor dem Start

Diesem kann der Herr Vater nämlich kaum einen Wunsch nicht gewähren, und wenn das süsse Gör sich dann auch noch bewegen mag – na, was glaubt ihr wer dann Feuer und Flamme ist. Tochter Luza hatte nach einigen Kilometern jedenfalls Blut geleckt und wollte meeehr. Schrie ihre geballte jugendliche Energie raus in die Natur und forderte die Naturgewalten heraus: Wind und Sonne, Steine und Wassermangel. Genau. Das Gespann hatte nämlich nicht daran gedacht, dass ein paar Schlucke mehr notwendig werden könnten.

Mittlerweile auf einem einsamen Bergpfad angekommen. Mittlerweile hemmungslos über spitze Felsen bretternd, ohne Rücksicht auf Verluste. Und mittlerweile eben … durstig. Für Abhilfe sorgte ein freundlich-kauziger Einsiedler. der mitten im eindrucksvollen Massiv des “Risco de Famara” seine von Sonnenenergie gespeiste Behausung besitzt, samt einer der wenigen Quellen aus Wolkenwasser, die unsere trockene Vulkaninsel zu bieten hat.

Derart erfrischt wurden Tochter und Vater übermütig und heizten mit ihren braven Dienern, uns Bergfahrrädern, bis zum Strand hinab über Felsen und Geröll. Adrenalin, Testosteron, traditionelle chinesische Glückshormone – ach – was weiss ich denn, was dazu führte, dass die Rasselbande mich und meine kleinere Schwester unter dem nicht ganz so wohltrainierten Hinterteil der Tochter unbedingt auch noch am Strand von Famara und – zu allem Überfluss – auch noch im Atlantik erproben musste.
Schön wars dennoch! Am besten hat es mir gefallen, wenn ich im seichten Wasser über tausende der kleinen Bodenwellen fahren und den Eisenmann in spe mit Salzwasser-Sandtropfen nach Herzenslust bespritzen durfte. Der meinte wohl, das sähe schick aus und würde nach Anstrengung und Abenteuer riechen.

 

…Felszacke Nummer Zweitausendsiebenhundertzweiundsiebzig…

Die Tour endete unrühmlich: Felszacke Nummer Zweitausendsiebenhundertzweiundsiebzig bohrte sich ungestüm durch das starke Profil in den Schlauch meines Hinterrades. Meine Luft verpuffte so schnell wie die Energie der mittlerweile auf den Boden der Realität zurückgeholten Tochter. Sie schleppte sich mühevoll erst in eine Strandkneipe und dann an die Bushaltestelle, wo die beiden Abenteurer wie geprügelte Hunde den Bus heimwärts nehmen mussten. Die Fahrt im kühlen, dunklen Kofferraum des Linienbusses habe ich sehr genossen.

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…immerhin kümmern sich die Beiden rührend um ihre Drahtesel…

Ich weiss, ich weiss. Ich selbst werde keinen Ruhm ernten und nicht als “Ironbike” im kommenden Jahr beim Ironman Lanzarote 2014 mit Medaillen behängt. Denn auf der Strasse und ohne die Bremse namens “Töchterchen” bin ich meinem Chef im Wettkampf sicher viel zu langsam. Es rauscht bis dahin aber noch viel Wolkenwasser das Risco de Famara herunter und es wollen noch viele “kurze Frühstücksfahrten” absolviert werden auf dem Weg zum Grossen Ziel!

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Sieht so harmlos aus, eigentlich, diese Tour rund ums Dörfchen “La Caleta de Famara”

 

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